Die sakrale Neuromodulation ist ein Verfahren, welches bei komplexen
Blasenfunktionstörungen angewendet wird, die nicht mit konservativen
Behandlungsmethoden, wie z.B.Medikamenten, Physiotherapie/
Blasentraining in den Griff zu bekommen sind.
Hierzu gehören Krankheitsbilder wie:
- Überaktivität des Harnblasenmuskels (häufiges Wasserlassen) mit und ohne Urininkontinenz
- Schmerzen im kleinen Becken und der Blase
- Schlaffer Blasenmuskel mit Restharn oder Fehlen des spontanen Wasserlassens (mehrfaches tägliches Selbstkatheterisieren)
Wie funktioniert die Behandlung?
Die Operation gliedert sich in 2 Phasen:
1. Die Testphase
PNE-Test:
Hier werden zunächst in einem kleinen operativen Eingriff 2
Testelektroden unter Röntgenkontrolle im Bereich des Kreuzbeines an den
so genannten sakralen Spinalnerven gelegt. In einer etwa 1-wöchigen
Testphase kann nun der Erfolg bzw.das Ansprechen auf diese Methode
getestet werden. Diese Testphase kann teilweise ambulant erfolgen. Nur
wenn die vorübergehend eingelegten Elektroden zu einer deutlichen
Verbesserung der Beschwerden geführt haben, wird der
"Blasenschrittmacher" eingesetzt.
Two-Stage-Verfahren:
Die Testphase
kann alternativ auch gleich mit den endgültigen Elektroden
(Permanentelektroden) erfolgen. Dies hat den Vorteil, dass die Testung länger
durchgeführt werden kann und diese Elektroden nicht so schnell
verrutschen. Bei dieser Testung muss allerdings ein Hautschnitt im Bereich des
Gesäßes ein- oder zweiseitig erfolgen. Sollte der Test erfolgreich sein, muss in
der 2. Operation nur noch der Schrittmacher eingesetzt werden.
2. Einsetzen der endgültigen Elektroden und des Schrittmacheraggregates:
War die Testphase
erfolgreich, müssen je nach Art der Testung nur noch der Schrittmacher
oder aber die Permanentelektrode und der Schrittmacher implantiert werden. Ähnlich wie beim Herzschrittmacher werden nun permanent
schwache elektrische Impulse an die Sakralnerven abgegeben.
Dadurch kann die noch bestehende Restfunktion dieser Nerven soweit
gesteigert werden, dass die normale Blasenfunktion wiederhergestellt
wird.
Der Patient verspürt die elektrischen Impulse zunächst als leichtes
"Kribbeln", später werden sie aber kaum noch wahrgenommen. Die
eingesetzten Implantate sind von außen nicht zu sehen.
Der Schrittmacher lässt sich von außen über ein Steuergerät (ähnlich
einer Fernbedienung) vom Patienten und vom Arzt bedienen,so dass auch
später das klinische Ergebnis immer wieder optimiert werden kann
Die Batterie des Schrittmachers hat eine Lebensdauer von etwa 8-10
Jahren, dann muß das Gerät in einem kleinen operativen Eingriff
ausgetauscht werden.
Mögliche Komplikationen der Therapie, wie z.B. Infektionen oder
Verrutschen der Elektrode, sind gut beherrschbar und selten. Insgesamt
gilt diese Behandlung als minimal invasiv und für den Patienten als
wenig belastend.
Da die sakrale Neuromodulation verschiedene Organe des kleinen Beckens
beeinflusst, wird sie auch erfolgreich zur Behandlung der
Stuhlinkontinenz eingesetzt.